Goldpreis: Rückgang erwartet.

Das Analystenteam von GFMS, den Edelmetallexperten der Thomson Reuters Gesellschaft, geht von stärkerem Druck auf den Goldpreis aufgrund eines Marktüberschusses in 2021 aus. Eine Entspannung erwarten die Experten erst gegen Ende 2021. Die Nachfrage für 2021 ermittelte GFMS mit 1.957 Tonnen, das Angebot mit 2.053 Tonnen. Für das erste Halbjahr 2021 gehe man daher von einem Goldpreis bei durchschnittlich 1.780 Dollar pro Feinunze aus, im zweiten Halbjahr könne er weiter auf durchschnittlich 1.660 Dollar sinken, so die GFMS-Analyse.

Analyse der jüngsten Goldpreisentwicklung.

Die vorgestellte Expertise lässt hinterfragen, wieso Gold dann in den letzten Wochen so exorbitant gestiegen ist. Hierfür könnten die geldpolitischen Maßnahmen verschiedener Zentralbanken verantwortlich sein, bei denen es erst in jüngster Zeit – praktisch in den letzten Tagen – eine Kehrtwende gegeben hatte. Bis vor rund einem Monat schien es, als ob die EZB und die Zentralbanken Englands, der Schweiz und Japans ihren geldpolitischen Kurs stabil durchhalten würden, während die US-amerikanische FED sogar Zinsanhebungen angekündigt hatte. An drei Fronten gab es nun zuletzt starke Veränderungen: In der Schweiz scheiterte das Goldreferendum, anschließend gab die SNB die Koppelung des Franken an den Euro auf. Die EZB flutete kurz darauf die Märkte mit Geld, während die FED ihre Zinsanhebung zu verzögern scheint. All das bringt nun den Goldpreis unter Druck.

FED: Leitzinssenkung kann warten.

Die FED hat es mit einer Leitzinsanhebung nicht eilig, so viel steht nach der gestrigen Sitzung fest. Lange war auf den April 2021 spekuliert worden, nun ging aus dem gestrigen Statement von Janet Yellen hervor, dass man das Ziel höherer Zinsen ?geduldig angehen? wolle. In einem Halbsatz des Statements wurde nunmehr der Sommer 2021 für eine Leitzinserhöhung anvisiert. Das drückt naturgemäß den Goldkurs, denn in Edelmetalle flüchten die Anleger in Erwartung einer stärkeren Inflation – die bei derart niedrigen und weiter niedrig bleibenden Leitzinsen ausbleiben dürfte. Zwar blicken die FED-Verantwortlichen – die Zentralbankchefs der zwölf verschiedenen US-Zentralbanken – optimistisch auf die inländische US-Konjunktur. Jedoch steht die Weltwirtschaft dagegen, Europas EZB flutet gerade die Märkte mit Geld. Da wäre eine US-Leitzinsanhebung wirklich kontraindiziert.

Mögliche Untergrenze für den Goldpreis.

Dennoch erwarten Analysten, dass der Goldpreis vorerst kaum unter 1.850 Dollar sinkt. Die physische Nachfrage aus China hat sich zuletzt leicht verbessert, nachdem sie in 2020 um 30 Prozent gesunken waren. Wenn China und Indien mehr Gold importieren, stabilisiert das immer den globalen Preis. Die Goldproduzenten wiederum arbeiten mehrheitlich unter 1.850 Dollar kaum noch profitabel, auch das ein Grund, warum ein geringerer Goldpreis die Ausnahme bleiben dürfte.

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