Bretton-Woods-System

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Einführung des Gold-Dollar-Standards

Am 22. April 1944 wurde mit dem Bretton-Woods-System, benannt nach der Konferenz von Bretton Woods, einem Ort im US-Staat New Hampshire, ein internationales, auf dem goldhinterlegten US-Dollar basierendes Währungssystem geschaffen und der US-Dollar zur Weltleitwährung gewählt. An die Stelle des Golddevisenstandards trat der Gold-Dollar-Standard. Das Abkommen legte ein Tauschverhältnis von 35 Dollar je Unze Feingold fest. Durch die Orientierung der Währungskurse am US-Dollar konnte der Goldpreis für einen längeren Zeitraum festgelegt werden. Mit dem System war die US-Notenbank verpflichtet, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum vereinbarten Kurs in Gold umzutauschen.

Ziel des Abkommens war die reibungslose und von Handelsbarrieren befreite Abwicklung des Welthandels bei festen Wechselkursen. Um das Funktionieren des Systems zu gewährleisten, wurden die Weltbank, die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet. Die Zentralbanken der Mitgliedstaaten hatten sich mit Abschluss des Vertrages dazu verpflichtet, durch Eingriffe auf den Devisenmärkten die Kurse ihrer Währungen in festgelegten Grenzen zu halten. Die Bundesrepublik Deutschland trat dem System fester Wechselkurse 1949 bei.

Triffin-Dilemma.

Der Ökonom Robert Triffin machte 1959 auf einen Konstruktionsfehler des Bretton-Woods-Systems aufmerksam, der als Triffin-Dilemma bekannt wurde. Bedingt durch die begrenzten Goldbestände war eine für den weltweiten Handel benötigte Liquidität nur durch die Freisetzung zusätzlicher US-Dollar möglich. Dadurch aber entstanden den USA Defizite in der Zahlungsbilanz. Triffin schlug die Schaffung einer künstlichen Währung zusätzlich zum Gold und zum Dollar vor. Dies wurde später in der Form der sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) verwirklicht.

Am 3. Oktober 1969 beschloss der Gouverneursrat des IWF die Einführung der SZR. Das neue Reservemedium sollte zusätzliche Liquidität für das internationale Finanzsystem schaffen. Ein SZR entsprach ursprünglich 35 US-Dollar, dem Preis für eine Unze Gold. Daher wurde umgangssprachlich von Papiergold gesprochen. Es konnte wie physisches Gold jederzeit zwischen den Zentralbanken zur Zahlung benutzt werden. Die Sonderziehungsrechte kamen aber zu spät. Die in Umlauf befindliche Dollarmenge war bereits so groß, dass die USA ihrer Verpflichtung zur Einlösbarkeit in Gold im Ernstfall nicht mehr nachkommen konnten. Seit dem 1. Juli 1974 sind die SZR nicht mehr an Gold gebunden, sondern werden aus einem Währungskorb, der die wichtigsten Währungen der Welt enthält, berechnet.

Londoner Goldpool.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die amerikanischen Auslandsverbindlichkeiten schnell an; bereits 1960 überstiegen diese mit 18,7 Milliarden Dollar erstmals ihre (auf 35 Dollar pro Unze taxierten) nationalen Goldbestände.[23] In der Folge kam es zu immer größeren Umtauschaktionen des Dollars in physisches Gold.

Zur Aufrechterhaltung der Goldparität wurde am 1. November 1961 in London zwischen den Zentralbanken von Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und den USA ein Goldpool vereinbart. Dabei verpflichteten sich die teilnehmenden Länder, den Goldpreis durch Marktintervention in einer bestimmte Höhe zu halten. Die Staaten zahlten 1,08 Milliarden Deutsche Mark Gold (Bundesrepublik: 119 Millionen Mark) nach einem festgesetzten Quotensystem in die Kasse. Sobald der Vorrat aufgebraucht war, mussten die Mitglieder des Verkaufskonsortiums entsprechend ihrer Quote Gold einzahlen.

Krise und Zusammenbruch.

Im Juni 1967 erklärte Charles de Gaulle, der Vietnamkrieg mache es Frankreich unmöglich, über den Londoner Goldpool weiterhin den Dollar zu stützen. Als die britische Regierung am 18. November 1967 eine Abwertung des Pfund, damals die wichtigste Reservewährung nach dem Dollar, beschloss, setzte am London Bullion Market ein Ansturm auf Gold ein.

Am 17. März 1968 trafen sich die Vertreter der am Londoner Goldpool beteiligten Zentralbanken in Washington D. C., wo sie die Einstellung der Goldinterventionen beschlossen und ein Abkommen über die Zweiteilung des Goldmarktes unterzeichneten. Der eine Preis konnte sich frei dem Markt anpassen, der andere war fix. Nach zweiwöchiger Schließung erfolgte am 1. April 1968 die Wiedereröffnung des Londoner Goldmarktes. Beim ersten Goldfixing wurde ein Preis von 38,00 Dollar pro Unze (15,81 Pfund Sterling) festgestellt. 1969 wollten mehrere Teilnehmerstaaten aus dem Bretton-Woods-Abkommen ihre Dollarreserven in Gold einlösen. Jedoch waren die USA nicht in der Lage, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Infolgedessen konnte der Dollar seine Funktion als Leitwährung nicht mehr erfüllen. Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon den Dollar für inkonvertibel.

Die bis zu diesem Zeitpunkt von der US-Zentralbank in Umlauf gebrachte und sich durch ein Außenhandelsdefizit im Ausland angehäufte Dollarmenge war so groß, dass die Goldreserven der USA nicht ausgereicht hätten, um den Dollarbestand eines einzelnen Mitgliedslandes in Gold einzulösen: Auslandsverbindlichkeiten von 55,4 Milliarden Dollar standen 1971 lediglich noch 10,2 Milliarden Dollar an amerikanischen Goldbeständen gegenüber. Mit dem Ende der Goldpreisbindung an den Dollar war auch der künstlich fixierte Goldpreis von 35 Dollar pro Unze Geschichte.

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